Daniela Knor

Schriftstellerin

Nach nur einem Jahr …

… musste unser Wanderführer Rhön bereist nachgedruckt werden 🙂 Wir haben die Gelegenheit genutzt, um einige Angaben zu aktualisieren und eine der Touren abzuändern, da eine gesperrte Brücke auf dem ursprünglichen Verlauf wohl nicht so bald repariert wird. Der neue Verlauf der Tour 57 (von Bad Kissingen nach Euerdorf) führt nun über die Ruine der Burg Botenlauben 🙂 Von hier hat man weiten Blick über die Stadt und das Tal der Saale auf die Berge der Rhön. Was wir aus Platzgründen leider nicht in den Wanderführer aufnehmen konnten, ist die Geschichte der Burg, die sie mit Wanderung 52 „Schloss Aschach und Klosterkirche Frauenroth“ verbindet:

In die vermutlich um 1180 erbaute Burg zogen 1220 der Minnesänger Otto von Botenlauben und seine Frau Beatrix de Courtenay ein. Bei ihnen waren regelmäßig andere bekannte Dichter wie Walther von der Vogelweide, Reinmar von Zweter und Wolfram von Eschenbach zu Gast. Otto stammte aus dem einflussreichen fränkischen Adelsgeschlecht der Henneberger und folgte als junger Mann Kaiser Heinrich VI. auf dessen Kreuzzug ins Heilige Land. Im Königreich Jerusalem heiratete er Beatrix, die Tochter eines dortigen Barons und königlichen Seneschalls. Durch sie erbte er Besitzungen im Heiligen Land, die er 1220 (im geschätzten Alter von 43 Jahren) jedoch verkaufte, um auf Burg Botenlauben zu leben. Hier in der Heimat trat er am Kaiserhof auf und wird im Codex Manesse als Minnesänger erwähnt. 1231 stiftete er gemeinsam mit seiner Frau das Zisterzienserinnenkloster Frauenroth. Es wurde zwar im Dreißigjährigen Krieg zerstört, aber das Mittelschiff der romanischen Klosterkirche blieb erhalten. Wir besuchen diese kleine Kirche auf der Wanderung 52, denn in ihrem Inneren findet sich heute noch die ausdrucksvolle Grabplatte des Gründerpaars (siehe Foto). Der Sage nach wurde eines Tages auf Burg Botenlauben Beatrix’ Schleier fortgeweht und sie gelobte, am Fundort des Schleiers ein Kloster zu errichten. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass der zarte Stoff erstaunlich weit geflogen ist …

Im Jahr 1234 übergab Otto die Burg jedoch dem Hochstift Würzburg und zog sich aus dem weltlichen Leben zurück, denn sein Erbe, Otto II., war 1230/1231 gemeinsam mit seiner Gattin Adelheid dem Deutschen Orden beigetreten. Der Verkauf verschaffte ihnen Mittel für den Unterhalt des Klosters Frauenroth, aber Otto und Beatrix selbst verfügten bis zum Jahr 1242 über ein Wohnrecht auf der Burg und zogen dann nach Würzburg, wo sie wenige Jahre später starben. Auch der einzige Enkel wählte das Leben als Kleriker, weshalb Ottos Linie schließlich ausstarb.

Die Würzburger Geistlichen vergaben Burg Botenlauben Jahrhunderte lang als Lehen an zahlreiche Adelige. 1525 wurde sie im Bauernaufstand schwer beschädigt, aber die besiegten Bauern mussten sie wiederaufbauen. Schon 1553 wurde sie jedoch im Zweiten Markgräflerkrieg endgültig zerstört und diente ca. ab 1631 nur noch als Steinbruch.

Erst um 1830 beendete das romantische Interesse am Mittelalter den Raubbau an den verwitterten Gemäuern. 1881 gründete der Arzt Ignaz Ising dann den Botenlaubenverein, der aus der Ruine eine Sehenswürdigkeit für die steigende Zahl der Kurgäste in Bad Kissingen machte. Heute ist sie restauriert und dient alle zwei Jahre als stimmungsvoller Schauplatz für das Burgfest, das auch an den Minnesänger Otto und seine Frau Beatrix erinnert.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Oktober 2022 von in Neuigkeiten und getaggt mit , , , , , , , , , .
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